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Der Arzt von Stalingrad

Erstes Buch

PAGE 13

»Sie sind grausam, Major.«

»Aber gerecht. Ich habe mir sagen lassen, dass ein Diebstahl in einem deutschen Gefangenenlager ganz anders bestraft wird

»Das sind Greuelmärchen!« Dr. Böhler trat wiederum einen Schritt vor. »Ich bitte Sie, Major, lassen Sie die armen Kerle nicht hungern! Wenn es sein muss, dann bestrafen Sie mich.«

Worotilow schüttelte den Kopf. Seine Augen waren schmal, aber in diesen Schlitzen leuchtete etwas, was sich Dr. Böhler nicht erklären konnte.

»Sie werden aus meinem Lager ein großes Lazarett machen, und ich bin stolz darauf, und Dr. Kresin auch. Sie sind ein großer Arzt.«

» Ich tue nichts als meine Pflicht

»Wir wollen uns nicht um Worte streiten. Sie werden alles bekommen, was Sie brauchen, ich habe es schon einmal gesagt. Aber Ihre verwundeten oder kranken oder gesunden Landsleute interessieren mich nicht. Sie werden einen Diebstahl büßen.«

Sekundenlang sah Dr. Böhler dem Major in die kleinen Augen. Zwei Männer, die jeder am Ende einer riesigen Brücke standen, über die kein Weg zueinander führt, weil sie in der Mitte zerstört ist. Nur das Geräusch ihrer Stimmen dringt von Ufer zu Ufer, aber die Worte sind verschieden.

»Niemand lernt euch Russen kennen«, sagte Dr. Böhler leise. Dann wandte er sich ab und verließ den Raum. Sellnow und Schultheiß wollten ihm folgen. Die Stimme Dr. Kresins hielt sie fest.

»Sie bleiben!« Seine dicken Finger wiesen auf den jungen Unterarzt. »Sie können auch gehen«, rief er Sellnow zu. Dr. Schultheiß trat zurück ins Zimmer und sah sich um. Piotr Markow hatte seine Pistole umgeschnallt und verließ die Baracke. Er strebte zur Baracke II, Block 7, wo eben Karl Georg seine Blumen fertig begossen hatte und nun mit seinen Freunden an der Wand lehnte und Machorka rauchte. Dr. Sergeij Basow Kresin schob Dr. Schultheiß mit dem Fuß einen Stuhl zu. »Setzen!« kommandierte er. Verblüfft ließ sich Schultheiß nieder und spürte, dass er blaß wurde und heftige Angst in ihm aufstieg. Dr. Kresin hatte die Hände gefaltet, als er zu sprechen begann. Er sah friedlich aus, als ob er sich als Privatmann mit einem jungen Kollegen unterhalte. Diese Haltung mahnte Schultheiß zur Vorsicht.

»Wir haben gehört«, sagte Dr. Kresin freundlich, »dass Sie den operierten Patienten mit einem neuen Medikament, einem Pulver, behandelt haben. Stimmt das?«

Schultheiß kniff die Lippen aufeinander. Woher wusste Doktor Kresin von dem Penicillin? Sollte er lügen? Sollte er die Wahrheit sagen?

»Wie soll denn das Medikament ausgesehen haben?«

»Weiß, Herr Doktor! Es war Penicillin! Ein amerikanisches Präparat, das wir als Militärlieferung erhalten. Wie kommen Sie an dieses Pulver?«

»Es war in unserer Lazarett‑Apotheke

» Es steht aber auf keiner Ihrer Bestandslisten verzeichnet

» So?« Dr. Schultheiß hob bedauernd die Schultern. »Das ist vielleicht ein Fehler, der leicht zu berichtigen ist. Schreiben Sie bitte dazu: Eine große Dose mit Penicillin‑Pulver.«

Dr. Kresin grinste. »Und wann geliefert, mein Junge?«

»Das weiss ich nicht.«

Major Worotilow, der jetzt an Stelle von Markow am Fenster stand, drehte sich herum und wippte mit den Fußspitzen auf dem Dielenboden.

»Sie haben also auch das Penicillin gestohlen!«

Dr. Schultheiß erkannte die Falle, die man ihm gestellt hatte. Er hatte keine Wahl mehr ‑ entweder er verriet die Kasalinsskaja, oder er nahm den Diebstahl auf sich. Man hatte ihn, den Jüngsten der Ärzte, ausgefragt, weil er am ängstlichsten und weichsten war.

»Ich bitte Sie, auch mir für eine Woche das Brot zu entziehen«, sagte er leise.

»Nein.« Worotilow trat näher und beugte sich über den jungen Arzt. Ein Geruch von Juchtenleder, Machorka und Schweiß strömte von ihm aus. »Ich müßte Sie bestrafen, Doktor, weil Sie so wenig Vertrauen haben. Sie dürfen mich nicht mit Markow verwechseln.« Er richtete sich auf. Der beißende Geruch verlor sich etwas. »Ich will gar nicht wissen, woher Sie das Penicillin hatten. Aber ich rechne auch mit Ihrer Verschwiegenheit in anderen Dingen. Sie sind Arzt... Sie kennen doch keinen Unterschied bei Ihren Patienten

Dr. Schultheiß wandte ihm den Kopf zu. » Was haben Sie vor, Herr Major.«

»Sie werden mit mir nach Stalingrad fahren. Und Sie werden dort jemanden untersuchen, der mir sehr nahesteht

»Eine Frau?« fragte Dr. Schultheiß ahnungsvoll.

»Ja. Dr. Kresin behandelt sie, aber er riet mir, Sie hinzuzuziehen.« Worotilow sah Dr. Schultheiß aus seinen kleinen dunklen Augen scharf an. Es war wie eine letzte Musterung beim Kauf eines Pferdes. »Es wird niemand erfahren, wo Sie hinfahren, Doktor«, sagte er mehr wie zu sich selbst. »Auch nicht Dr. Böhler.«

»Nein, Herr Major.«

»Wenn Sie sie gesund machen, können Sie von mir haben, was Sie wollen.« Ein Lächeln zog über sein Gesicht. »Nur nicht die Freiheit.«

Dr. Kresin schaltete das Licht ein. Die Nacht war über das Lager hereingebrochen. In einer der Baracken hörte man das Brüllen Leutnant Markows. Ein warmer Wind kam von Westen und trieb den Staub durch die Lagerstraßen. Es roch nach Erde und Rauch, als habe in der Nähe ein Wald gebrannt.

»Morgen früh fahren wir«, sagte Worotilow laut. »Dr. Kresin wird Sie abholen

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